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Montag 25 September 2017

Bahnbrechend: Omega 3 und Neuroinflammation

Kürzlich wurde in PNAS eine bahnbrechende Studie veröffentlicht, die zeigt, dass aus Fisch stammende Omega-3-Fettsäuren im menschlichen Körper über den sogenannten Endocannabinoid-Signalweg in hochwirksame entzündungshemmende und neuromodulatorische Substanzen umgewandelt werden.

 

Die medizinische Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) ist die in biomedizinischen Disziplinen am häufigsten zitierte Publikation. Die nun vorliegende Studie untersucht eingehend die Signalwege, die dafür verantwortlich sind, dass die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA in bioaktive Metaboliten mit gesundheitsrelevanten Eigenschaften umgewandelt werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei der sogenannte Endocannabinoid-Signalweg.

 

Endocannabinoide sind Substanzen, die vom Körper selbst gebildet werden und die an der Regulation von Hungergefühl, Stimmung, Gedächtnis und Schmerzwahrnehmung beteiligt sind. Hierzu docken sie an Rezeptoren hauptsächlich des neurologischen und immunologischen Systems an. Exakt dieselben Rezeptoren sind es auch, an die sich THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol), die wirksamen Substanzen von Cannabis sativa, anlagern. Darum wird Cannabis im medizinischen Rahmen bei bestimmten Schmerzbehandlungen eingesetzt.

 

Cannabinoide ohne Nebenwirkungen

„Unser Team ist auf einen enzymatischen Signalweg gestoßen, der Omega-3-Endocannabinoide in potentere entzündungshemmende und neuromodulierende Moleküle umwandelt. Es zeigte sich, dass diese Moleküle zum Teil dieselben medizinischen Eigenschaften wie Cannabis besitzen, jedoch ohne dessen psychotrope Wirkung“, erklären die Forscher.

 

Die Metaboliten helfen unter anderem dabei, entzündliche Prozesse zu kontrollieren. Außer Kontrolle geratene Entzündungen treten bei vielen Erkrankungen auf, bei neurodegenerativen bis hin zu cerebrovaskulären Störungen. Den Forschern zufolge spielen Fettsäuremediatoren eine zentrale Rolle bei der Regulierung dieses Prozesses. Hier liegt also ein klarer Anwendungsbereich für (eine Supplementierung mit) Omega-3-Fettsäuren.

 

Bedeutung der Studie

Die Studie liefert eine biochemische Erklärung für Beobachtungen, die bereits zuvor in klinischen Studien gesammelt wurden, und bestätigt damit, dass eine an Omega-3-Fettsäuren reiche Ernährung entzündungshemmende Wirkung besitzt. Weiterhin untermauert sie frühere epidemiologische Studien, wonach DHA und EPA von Vorteil für das neurologische System und das Immunsystem sind.

 

„Kurz zusammengefasst besteht die Bedeutung dieser Studie darin, dass Endocannabinoid-Metaboliten von Omega-3-Fettsäuren aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften von potenziellem therapeutischem Interesse bei neuroinflammatorischen und cerebrovaskulären Erkrankungen sind.“

 

Literatur

Daniel R. McDougle et al., Anti-inflammatory ω-3 endocannabinoid epoxides, PNAS (June 6, 2017), vol. 114 no. 30,  E6034–E6043.