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Donnerstag 30 August 2018

Mikrobiom der Mutter relevant für ASS-Risiko

Mikrobiom der Mutter relevant für ASS-Risiko
Mikrobiom der Mutter relevant für ASS-RisikoDas Risiko, an einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zu erkranken, wird unter anderem von den Mikroorganismen beeinflusst, die während der Schwangerschaft im Körper der werdenden Mutter anwesend sind. Dies legt eine neue Studie nahe, die an der University of Virginia School of Medicine in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde.


Die Ergebnisse der Studie liefern möglicherweise Hinweise auf neue Wege zur Vorbeugung von Autismuserkrankungen. Dies könnte durch Ernährungsumstellung und Einnahme geeigneter Probiotika erfolgen. Die Forscher stützen sich dabei unter anderem auf Experimente an Mäusen. Diese Experimente haben unter anderem gezeigt, dass die Nachkommen von Mäusen mit einem ungünstigen Mikrobiom anfälliger für Entwicklungsstörungen des Gehirns sind.


Einfluss der mütterlichen Flora auf das Gehirn

Die Forscher gingen der Frage nach, wie das Mikrobiom der Mutter die Entwicklung des Gehirns des ungeborenen Kindes beeinflusst. In der Mausstudie zeigte sich, dass die Nachkommen von Mäusen mit einem ungesunden Mikrobiom anfälliger für autismusähnliche Störungen sind. Die wechselseitigen Beeinflussungen scheinen über das Immun- und Nervensystem zu verlaufen. Erstens scheint das Mikrobiom für die Programmierung des Immunsystems des Nachwuchses und die Art und Weise, wie dieses System auf Stress, Verletzungen und Infektionen reagiert, wichtig zu sein. Zweitens scheint auch Interleukin 17a (IL-17a) eine Rolle bei der Entwicklung autismusähnlicher Symptome zu spielen.
Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich daher logischerweise zwei Möglichkeiten, um das Auftreten autismusähnlicher Störungen zu verhindern: zum einen die Behandlung des ungünstigen Mikrobioms und zum anderen das Ausschalten von IL-17a. Die Veränderung des Mikrobioms kann durch Ernährungsumstellung, Fäzestransplantation und/oder Anwendung von Probiotika erfolgen. Das Hemmen von IL-17a ist komplizierter. Außerdem ist es mit Risiken behaftet, da IL-17a im Kampf gegen (Pilz-) Infektionen eine Rolle spielt. Das Blockieren von IL-17a erhöht daher das Infektionsrisiko bei Müttern und Neugeborenen.

 

Sich wechselseitigbeeinflussende Körpersysteme

Zusammenfassend liefert die Studie eine Erklärung für Zusammenhänge zwischen Mikroorganismen, Immunantwort und dem sich entwickelnden Gehirn. Das Risiko für autismusähnliche Störungen wird durch die Zusammensetzung der im Körper (insbesondere der Darmflora) der werdenden Mutter vorhandenen Mikroorganismen mitbestimmt. Betont werden muss, dass diese Resultate von Mäusen stammen und noch am Menschen überprüft werden müssen, bevor klinische Anwendungen möglich sind.Folgestudien sollten sich daher auf die Identifizierung der Eigenschaften des Mikrobioms schwangerer Frauen im Zusammenhang mit Autismuserkrankungen konzentrieren.

 

Literatur

John R. Lukens, Catherine R. Lammert, Elizabeth L. Frost and Calli E. Bellinger, Critical roles for microbiota-mediated regulation of Th17 responses in a maternal immune activation model of autism, J Immunol May 1, 2018, 200 (1 Supplement) 166.36