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Dienstag 17 September 2019

Dopamin könnte bei Stressbewältigung helfen

Bei in Gefangenschaft lebenden Sperlingen verringerte sich im Laufe der Zeit die Anzahl der Dopaminrezeptoren, wie eine aktuelle Studie zeigt. Dadurch wurden die Vögel anfälliger gegenüber Stress. Die Ergebnisse dieser Studie könnten daher möglicherweise dazu beitragen, stressbedingte Störungen beim Menschen effektiver zu behandeln. 

 

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der das Belohnungs- und Genusszentrum im Gehirn beeinflusst und für kognitive Funktionen wie Lernen und Gedächtnis wichtig ist. Außerdem sorgt Dopamin dafür, dass man sich koordiniert bewegen kann. Auch bestimmte Verhaltensweisen stehen im Zusammenhang mit Dopamin, so zum Beispiel Kreativität, Durchsetzungsvermögen, Entschlusskraft und Musikalität.

 

Dopamin ist also offenbar ein sehr wichtiger Neurotransmitter. Eine neue Studie der Louisiana State University zeigt darüber hinaus, dass Dopamin Sperlingen hilft, resistenter auf Stress zu reagieren. In der Studie zeigte sich, dass sich eine bestimmte Art von Dopaminrezeptor bei in Gefangenschaft gehaltenen Sperlingen verringerte und das stressbezogene Verhalten der Vögel zunahm. Die Studie wurde in Nature’s Scientific Reports veröffentlicht. [1]

 

PET-Scans und Beobachtung

In der vorliegenden Studie verwendeten die Forscher PET-Scans (PET = Positronen-Emissions-Tomographie), um die Anzahl der Dopamin-Rezeptoren bei Sperlingen zu bestimmen. Weiterhin werteten die Wissenschaftler alle Veränderungen des Gewichts und des Hormonspiegels der Vögel aus und beobachteten ihr Verhalten in Gefangenschaft mit einer Videokamera. Die Vögel wurden zunächst beim Eintritt ins Labor gescannt und dann erneut vier Wochen später.

 

Rückgang von D2-Dopaminrezeptoren 

Wie sich beim zweiten Scan zeigte, hatten sich die D2-Dopaminrezeptoren der Vögel im Laufe ihrer Gefangenschaft verringert und ihre Stressresistenz hatte ebenfalls abgenommen. Je stärker die Dopaminrezeptoren bei einem Vogel zurückgegangen waren, desto mehr angstbezogenes Verhalten zeigte er, zum Beispiel in Form von häufigem Gefiederschütteln. Alle Vögel verloren zudem an Gewicht.

 

Die Forscher vermuten, dass diese Studie an Vögeln auch Ansatzpunkte für ein besseres Verständnis der Rolle von Dopamin beim Menschen liefern kann. Sie hoffen, dass dies in Zukunft dazu beitragen könnte, stressbedingte Störungen zu verhindern oder besser zu behandeln. [2]

 

Studie auch für den Menschen relevant? 

Da diese Studie an Vögeln durchgeführt wurde, stellt sich die Frage, inwieweit diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sind. Um dies zu beantworten, möchten wir im Folgenden kurz auf einige grundlegende Fakten zu Dopamin und drei interessante wissenschaftliche Studien eingehen, die in diesem Zusammenhang relevant sein könnten.

 

Grundlegende Fakten zu Dopamin

Dopamin wird in verschiedenen Teilen des Gehirns gebildet, insbesondere im ventralen Tegmentum und der Substantia nigra. Die eingangs bereits erwähnten, verschiedenen (physiologischen) Wirkungen von Dopamin hängen von der Bindung an einen der fünf verschiedenen Dopaminrezeptoren ab, von denen D1 und D2 die bekanntesten sind. D1-Rezeptoren finden sich unter anderem im Striatum und Neocortex und D2-Rezeptoren unter anderem im Striatum und limbischen System. Das limbische System ist für die Regulation von Emotionen zuständig, sodass sich eine hier stattfindende Verringerung von D2-Rezeptoren auf die emotionsregulierende Wirkung von Dopamin auswirken kann.

 

Wie wird Dopamin gebildet? 

Die Bildung von Dopamin erfolgt über dreistufigen biochemischen Umwandlungsprozess: Phenylalanin (Aminosäure) > Tyrosin (Aminosäure) > Dopa > Dopamin. Dopamin dient weiterhin als Vorläufersubstanz für die Bildung von (Nor-) Adrenalin. Zur Bildung von Dopamin werden die Cofaktoren Eisen und Vitamin B6 benötigt. Um daraus anschließend (Nor-) Adrenalin zu bilden, werden die Cofaktoren Vitamin C, Kupfer und SAM benötigt.

 

Folgen von Dopaminmangel 

Zu einem Dopaminmangel kann es bei übermäßigem Stress kommen, da dabei vorrangig Adrenalin gebildet wird. Adrenalin ist ein Hormon, das eine Rolle bei der akuten Flucht-Kampf-Reaktion spielt und evolutionär entstanden ist, um schnell auf plötzlich auftretende Bedrohungen reagieren zu können. Chronischer Stress kann unter anderem zu Depressionen führen, die in diesem Fall als dopaminerge Depressionen bezeichnet werden. Weitere Beschwerden, die mit Störungen des Dopaminhaushalts zusammenhängen können, sind ADS/ADHS, Parkinson-Krankheit, Suchterkrankungen und Zwangsstörungen. Schließlich: Tyrosin ist außerdem auch eine Vorläufersubstanz des Schilddrüsenhormons. Ein Mangel des Bausteins Tyrosin kann daher Störungen des Energiehaushalts auslösen, die zu Müdigkeit führen können.

 

Zwei Mausstudien haben gezeigt, dass Stress auch bei Mäusen zu einem Rückgang von D2-Rezeptoren führt. In der einen Studie erhielten die Mäuse vorübergehend weniger Futter, was zu einer Verringerung der Anzahl der D2-Rezeptoren führte und zur Folge hatte, dass sie bei einem Stresstest weniger gut abschnitten. [3] In der anderen Mausstudie zeigte sich, dass Mäuse mit fehlenden D2-Rezeptoren bei chronischen Stress deutlich mehr Angst und Depressionen entwickelten als Mäuse, die diesen Rezeptor noch besaßen. [4]

 

Eine aktuelle Studie am Menschen zeigt, wie Gene (die die Expression von D2-Rezeptoren codieren) im Zusammenwirken mit Umweltfaktoren das Dopaminsystem beeinflussen und es anfällig für akuten Stress machen, was bis hin zur Schizophrenie führen kann. [5]

 

Ausreichend Dopamin auf der Speisekarte 

Es ist daher wichtig, dass die Nahrung genügend Proteine und die notwendigen Cofaktoren zur Bildung von Dopamin enthält. Empfehlen Sie Ihren Klienten daher, besonders darauf zu achten, dass ihr Speisezettel ausreichende Mengen der folgenden Nahrungsmittel enthält: Fisch, Schalen- und Krustentiere, Eier, Geflügel, Gemüse, Obst, Avocados, Knoblauch, Zwiebeln, Nüsse (insbesondere Mandeln), Kerne und Samen (insbesondere Sesam).

 

Weiterhin kann Mucuna pruriens ein interessantes Supplement bei dopaminergen Depressionen oder anderen Beschwerden im Zusammenhang mit einem Mangel an Dopamin darstellen. Mehr darüber lesen Sie in der Monographie: http://www.naturafoundation.de/monografie/Mucuna_pruriens.html

 

Literatur

[1] Christine R. Lattin et al, In vivo imaging of D2 receptors and corticosteroids predict behavioural responses to captivity stress in a wild bird, Scientific Reports (2019). DOI: 10.1038/s41598-019-46845-x, https://www.nature.com/articles/s41598-019-46845-x

[2] https://medicalxpress.com/news/2019-07-biologist-stress.html

[3] Campus, P. et al, Stress-Induced Reduction of Dorsal Striatal D2 Dopamine Receptors Prevents Retention of a Newly Acquired Adaptive Coping Strategy,

Front Pharmacol. 2017 Sep 12;8:621. doi: 10.3389/fphar.2017.00621. eCollection 2017, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28955227

[4] Sim, H. et al., Role of dopamine D2 receptors in plasticity of stress-induced addictive behaviours, Nature Communications volume 4, Article number: 1579 (2013), https://www.nature.com/articles/ncomms2598

[5] Howes O.D. et al., Review, The Role of Genes, Stress, and Dopamine in the Development of Schizophrenia, Biological Psychiatry, volume 81, issue 1, 1 januari 2017,

https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2016.07.014, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006322316326634