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Dienstag 23 Juli 2019

Verbesserung des Darmmikrobioms lindert Angststörungen

Immer deutlicher zeigt sich, dass das Mikrobiom eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von psychischen Störungen einschließlich Angststörungen spielt. Eine neue Übersichtsstudie zeigt, dass Angst unter anderem durch Ernährungsumstellung oder Probiotika verringert werden kann. Aus unserer Sicht sollte die Kombination aus beidem am effektivsten funktionieren.

Unser Darmmikrobiom erfüllt viele wichtige Aufgaben, indem es Nährstoffe, Vitamine und Entzündungsmediatoren bildet. Außerdem trägt es zur Regulierung der Gehirnfunktion über die Darm-Hirn-Achse bei. Die Forschungsergebnisse weisen daher zunehmend in Richtung einer Verbesserung des Darmmikrobioms, um psychische Störungen einschließlich Angststörungen zu behandeln. Mehr als 30 % aller Menschen sind im Laufe ihres Lebens von Angststörungen betroffen. [1]


Forscher der Shanghai Jiao Tong University School of Medicine haben vor kurzem eine zusammenfassende Auswertung zahlreicher Studien durchgeführt, die zeigt, dass Menschen mit Angststörungen davon profitieren, ihr Darmmikrobiom mit probiotischen oder nicht-probiotischen Interventionen wie beispielsweise Ernährungsumstellungen zu regulieren. Die Übersichtsstudie wurde in General Psychiatry veröffentlicht. [1]


Die Studie

Die Forscher werteten 21 Studien aus und untersuchten dabei die Daten von 1.503 Personen. Von den 21 Studien wurden in vierzehn Probiotika als Intervention zur Regulierung des Darmmikrobioms verwendet und in sieben nicht-probiotische Interventionen mit Änderung der täglichen Ernährungsweise eingesetzt.


Probiotika sind lebende Organismen, die in einigen Nahrungsmitteln enthalten sind und als „gut“ oder „nützlich“ bezeichnet werden, weil sie unerwünschte, schädliche Bakterien bekämpfen und verhindern, dass diese sich im Darm ansiedeln. In sieben Studien wurde nur ein probiotischer Stamm/Art verwendet, in zwei weiteren Studien zwei Stämme/Arten. In den anderen fünf Studien wurden mindestens drei Stämme/Arten eingesetzt.


Insgesamt zeigte sich in elf der 21 Studien ein positiver Effekt, da sich bei 52 Prozent der Teilnehmer die Angststörung verringerte. Bemerkenswert ist dabei, dass ein großer Unterschied zwischen dem Einsatz von Probiotika und einer nicht-probiotischen Intervention zu beobachten war:

  • In den 14 Studien, in denen Probiotika verwendet wurden, erwies sich die Intervention in 36 % der Fälle als effektiv zur Reduzierung von Angstsymptomen, während in 6 der 7 anderen Studien, in denen nicht-probiotische Interventionen verwendet wurden, diese in 86 % der Fälle wirksam waren.
  • In einigen Studien wurden IRIF (Interventions to Regulate Intestinal Microbiota) und eine Standardbehandlung eingesetzt. Diese Therapien zeigten nur dann positive Ergebnisse, wenn zugleich auch nicht-probiotische Interventionen durchgeführt wurden.
  • Nicht-probiotische Interventionen waren auch in Studien, die nur IRIF einsetzten, effektiver: nämlich in 80 % der Studien mit nicht-probiotischen Interventionen und nur in 45 % der Studien mit Probiotika.


Positives Resultat in mehr als der Hälfte der Studien

Die Autoren vermuten, dass die nicht-probiotischen Interventionen deshalb signifikant effektiver waren als probiotische Interventionen, weil eine Ernährungsumstellung stärkeren Einfluss auf das Wachstum von Darmbakterien ausübt als das Einbringen bestimmter Bakterienarten durch Probiotika. Außerdem sei es denkbar, dass sich die in einigen Studien verwendeten Arten von Probiotika gegenseitig negativ beeinflusst haben könnten und außerdem könne dabei auch eine Rolle gespielt haben, dass die Interventionszeiten zu kurz waren, um die Anzahl der zugeführten Bakterien im Darm tatsächlich signifikant zu erhöhen.


Nicht-probiotische Interventionen effektiver als Probiotika

Abschließend weisen die Forscher darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die keinen kausalen Zusammenhang herstellen könne. Außerdem seien die Daten auch aufgrund der Unterschiede in Studiendesign, Interventionen und Messmethoden für weitere Analyse ungeeignet. Dennoch schätzen sie die Qualität der 21 Studien als hoch ein und bewerten es als positiv, dass in mehr als der Hälfte der Studien das Regulieren des intestinalen Mikrobioms zur Behandlung von Angststörungen beigetragen habe.


Außerdem betonen sie, dass ihre Übersichtsstudie zumindest das Folgende zeige: „Es gibt zwei Arten von Interventionen (probiotisch und nicht-probiotisch), mit denen das Darmmikrobiom reguliert werden kann, und es ist hervorzuheben, dass nicht-probiotische Interventionen effektiver waren als probiotische Interventionen. Weitere Studien werden benötigt, um diese Resultate genauer zu klären, da aufgrund des momentanen Forschungsstandes noch keine Metaanalyse möglich ist.“ [2]


Ernährung und Supplementierung

Aus unserer Sicht möchten wir an dieser Stelle gerne hinzufügen, dass sich Ernährung und Supplementierung bei der Behandlung von Angststörungen gegenseitig verstärken. Obwohl nun gerade dies aus dieser Studie nicht hervorgeht, empfehlen wir Ihnen dennoch, bei Ihren Klienten beides einzusetzen. Natürlich muss bei der Behandlung von Angststörungen daneben immer auch der psychosoziale Aspekt berücksichtigt werden.


Literatur

[1] Yang, B. et al., Effects of regulating intestinal microbiota on anxiety symptoms: A systematic review, General Psychiatry , DOI: 10.1136/gpsych-2019-100056

[2] https://medicalxpress.com/news/2019-05-anxiety-alleviated-gut-bacteria.html